Datenlage zu Krankheitskosten in Deutschland

Drucksache 21/5664Antwortauf die Kleine Anfrage 21/526728.04.202616 Seiten9 FragenFraktion der AfDBundesministerium für GesundheitGesundheit2 Anlagen als PDF
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf und liegt auch beim Anteil am Bruttoinlandsprodukt deutlich über dem OECD-Durchschnitt (OECD = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; https://data.worldbank.org/indicator/SH.XPD.CH EX.PP.CD).

Laut aktuellen Pressemitteilungen fehlen im Jahr 2027 den gesetzlichen Krankenkassen 13 Mrd. Euro (www.bild.de/politik/inland/krankenkassen-13-millia rden-defizit-zwingt-regierung-zu-gesundheitsreformen-69b4470317184da7cff d8f32). Aus dem Bundesministerium für Gesundheit werden für 2027 „über“ 15 Mrd. Euro genannt (www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/finanzkommission-gesundheit-ergebnisse-30-03-26).

Im Hinblick auf notwendige Reformen und Einsparungen im deutschen Gesundheitssystem ist die Klärung der Vollständigkeit und Aktualität der Daten zu Krankheitskosten in den Augen der Fragesteller essenziell.

Text vor der ersten Frage

wichtige Grundlage für weitere Analysen wie altersstandardisierte Geschlechtsvergleiche.

Die Krankheitskosten umfassen dabei mehr Informationen als nur die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Hierin enthalten sind beispielsweise auch Ausgaben der privaten Krankenversicherung sowie weitere öffentliche und private Ausgaben.

Für die Deckungslücke für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die die FinanzKommission Gesundheit für das Jahr 2027 auf 15 Mrd. Euro schätzt, sind weniger die Krankheitskosten von Relevanz. Relevant ist vielmehr die erwartete Entwicklung der Ausgaben der Versorgung gesetzlich Versicherter mit von der GKV übernommenen Leistungen für das Jahr 2027 im Vergleich zu den Ausgaben für das Jahr 2026. Zusätzlich ist für die Deckungslücke auch die erwartete Einnahmenentwicklung der GKV von 2026 zu 2027 von Relevanz. Die Deckungslücke ist Folge der im Vergleich zur Ausgabenentwicklung geringeren Einnahmenentwicklung der GKV.

Frage 1 Seite 2

Welche direkten Gesamtkrankheitskosten (unmittelbarer Ressourcenverbrauch nach Gesundheitsausgabenrechnung) ergeben sich jeweils für das Jahr 2023 und das Jahr 2025 in Deutschland?

Antwort

Angaben zu den direkten Krankheitskosten entsprechen den laufenden Gesundheitsausgaben aus der Gesundheitsausgabenrechnung und können im Zeitverlauf der folgenden Tabelle entnommen werden. Detaillierte Daten zu den laufenden Gesundheitsausgaben des Jahres 2024 sowie lange Zeitreihen sind über die Tabellen zur Gesundheitsausgabenrechnung (www-genesis.destatis.de/daten bank/online/statistic/23611/details) in der Datenbank GENESIS-Online oder im Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-b und.de) abrufbar.

Tabelle 1: Gesundheitsausgaben in Deutschland in Millionen Euro

Tabelle auf Seite 2 · 3 Zeilen × 4 Spalten
Ausgabenträger insgesamt pro Jahr in Millionen Euro202320242025
Gesundheitsausgaben500 267538 207579 506
Investitionen9 2869 71610 285
Laufende Gesundheitsausgaben490 981528 491569 221

Fußnote 1: Rundungsbedingte Abweichung möglich. Fußnote 2: Die Werte in 2025 wurden auf Basis bereits vorliegender und fortgeschriebener Werte geschätzt. Quelle: Gesundheitsausgabenrechnung Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Frage 2 Seite 2

Welche indirekten Gesamtkrankheitskosten (mittelbarer Ressourcenverlust durch Ausfallzeiten, reduzierte Produktivität etc.) ergeben sich jeweils für das Jahr 2023 und das Jahr 2025 in Deutschland?

Antwort

Daten zu den indirekten Krankheitskosten für die Berichtsjahre 2023 und 2025 liegen nicht vor.

Frage 3 Seite 2

Wie hoch sind die direkten Krankheitskosten nach ICD-10-Kapiteln (Krankheitsstatistik nach WHO-Standard [WHO = Weltgesundheitsorganisation]) jeweils für das Jahr 2023 und das Jahr 2025 in Deutschland?

Antwort

Die direkten Krankheitskosten nach ICD-10-Kapiteln für das Berichtsjahr 2023 auf Basis der Krankheitskostenrechnung können der folgenden Tabelle entnommen werden. Für das Berichtsjahr 2025 liegen keine Ergebnisse vor. Die Ergebnisse für das Berichtsjahr 2024 werden voraussichtlich im dritten Quartal 2026 veröffentlicht. Tief gegliederte Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung sind in den Publikationssystemen GENESIS-Online (www-genesis.destatis.de/daten bank/online/statistic/23631/details) (ab Berichtsjahr 2015) und im Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de) abrufbar.

Tabelle 2: Direkte Krankheitskosten nach ICD-10-Kapiteln in Deutschland für das Jahr 2023

Tabelle auf Seite 3 · 22 Zeilen × 2 Spalten
Krankheitsdiagnosen (ICD-10 Kapitel)Krankheitskosten in Millionen Euro
A00-B99 Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten8 854
C00-D48 Neubildungen47 604
D50-D90 Krankheiten des Blutes5 113
E00-E90 Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten22 081
F00-F99 Psychische und Verhaltensstörungen63 320
G00-G99 Krankheiten des Nervensystems26 801
H00-H59 Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde14 033
H60-H95 Krankheiten des Ohres und des Warzenfortsatzes4 114
I00-I99 Krankheiten des Kreislaufsystems64 559
J00-J99 Krankheiten des Atmungssystems22 514
K00-K93 Krankheiten des Verdauungssystems50 612
L00-L99 Krankheiten der Haut und der Unterhaut7 346
M00-M99 Krankh. d. Muskel-Skelett-Systems u. d. Bindegewebes49 885
N00-N99 Krankheiten des Urogenitalsystems15 132
O00-O99 Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett5 929
P00-P96 Best. Zustände mit Ursprung i. d. Perinatalperiode2 149
Q00-Q99 Angeb. Fehlbild., Deformitäten, Chromosomenanomalien3 313
R00-R99 Symptome u. abnorme klin. u. Laborbefunde, a. n. k.28 070
S00-T98 Verletzungen und Vergiftungen25 426
Z00-Z99 Faktoren, die zur Inanspruchn. d. Gesundheitsw. führen21 678
U00-U99 Schlüsselnummern für besondere Zwecke3 030
Insgesamt491 563

Fußnote 1: Rundungsbedingte Abweichung möglich. Fußnote 2: Im Kapitel U00-U99 werden ausschließlich Kosten im Zusammenhang mit COVID-19 ausgewiesen. Methodisch bedingt sind nur solche Kosten enthalten, die in den zugrunde liegenden Basisstatistiken eindeutig COVID-19 zugeordnet werden können. Hierzu zählen beispielsweise Zuschüsse zur Beschaffung von Impfstoffen, pandemiebedingte Erstattungen von Testkosten, Ausgleichszahlungen für Einnahmeausfälle sowie Entlastungsleistungen und Corona-Prämien. Nicht enthalten sind Behandlungskosten sowie sogenannte Selbsttests, Schutzmasken oder Desinfektionsmittel, die Privathaushalte im Einzelhandel gekauft haben. Weitere Informationen im Qualitätsbericht. Quelle: Krankheitskostenrechnung Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Frage 4 Seite 3

Wie hoch sind die direkten Krankheitskosten jeweils für die Jahre von 2023 bis 2025 nach Fünf-Jahres-Altersgruppen, Geschlecht (männlich und weiblich), Nationalität und Migrationsstatus (jeweils absolut und prozentual)?

Antwort

Die direkten Krankheitskosten nach 5-Jahres-Altersgruppen und Geschlecht (männlich/weiblich) für das Berichtsjahr 2023 auf Basis der Krankheitskostenrechnung können der Tabelle 3 in der beigefügten Anlage 1 entnommen werden.* Für das Berichtsjahr 2025 liegen derzeit keine Ergebnisse vor. Die Ergebnisse für das Berichtsjahr 2024 werden voraussichtlich im dritten Quartal 2026 veröffentlicht. Eine Differenzierung der Krankheitskosten nach Nationalität und Migrationsstatus ist nicht möglich, da die Merkmale in der Krankheitskostenrechnung nicht erhoben und ausgewiesen werden.

AnlageAnlage 1 – Tabelle 3 zu AW auf Frage 4 – Kleine Anfrage 21/5267

PDF-Seiten 8–9 (2 Seiten) · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen

Frage 5 Seite 4

Mit welcher Entwicklung der direkten Gesamtkrankheitskosten in Deutschland rechnet die Bundesregierung jeweils für die Jahre von 2026 bis 2030?

Antwort

Die Bevölkerungsfortschreibung der Bunderegierung geht von einem Anstieg von Personen über 65 Jahren aus (vgl. Statistisches Bundesamt). Mit fortschreitendem Alter nehmen die Krankheitskosten deutlich zu. Daten zur Entwicklung der Krankheitskosten für die Berichtsjahre 2026 bis 2030 liegen nicht vor.

Frage 6 + 7 Seite 4

6Wie hoch sind die direkten Krankheitskosten je Einwohner für die Jahre von 2023 bis 2025 (bitte nach gesetzlicher Krankenversicherung [GKV], privater Krankenversicherung [PKV] und Selbstzahlern aufschlüsseln)?

7Wie verteilen sich die direkten Krankheitskosten auf die Ausgabenträger (GKV, PKV, Sozialhilfe, Beihilfe, Privathaushalte)?

Antwort

Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.

Die laufenden Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern in Millionen Euro und je Einwohnerin bzw. Einwohner aus der Gesundheitsausgabenrechnung können der folgenden Tabelle entnommen werden.

Tabelle 4: Gesundheitsausgaben in Deutschland in Millionen Euro und in Euro je Einwohner

Tabelle auf Seite 4 · 19 Zeilen × 6 Spalten
Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern2023 in Millionen Euro2023 Euro je Einwohner2024 in Millionen Euro2024 Euro je Einwohner2025 in Millionen Euro
Öffentliche Haushalte26 44931826 18631428 130
Gesetzliche Krankenversicherung279 0823 351300 8313 602324 503
Soziale Pflegeversicherung58 11269864 65677472 120
Gesetzliche Rentenversicherung5 799706 440776 859
Gesetzliche Unfallversicherung6 975847 364887 766
Private Krankenversicherung40 86049144 81053747 991
Arbeitgeber21 36025622 96527524 387
Private Haushalte/ Private Organisationen ohne Erwerbszweck61 62974064 95677867 749
Ausgabenträger insgesamt500 2676 007538 2076 444579 506
Darunter laufende Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern
Öffentliche Haushalte17 95621617 37520818 855
Gesetzliche Krankenversicherung279 0793 351300 8283 602324 500
Soziale Pflegeversicherung57 46669063 93676671 304
Gesetzliche Rentenversicherung5 708696 323766 742
Gesetzliche Unfallversicherung6 975847 364887 766
Private Krankenversicherung40 82249044 76453647 943
Arbeitgeber21 34425622 94527524 362
Private Haushalte/Private Organisationen ohne Erwerbszweck61 62974064 95677867 749
Ausgabenträger insgesamt490 9815 895528 4916 328569 221

Fußnote 1: Rundungsbedingte Abweichung möglich. Fußnote 2: Die Werte in 2025 wurden auf Basis bereits vorliegender und fortgeschriebener Werte geschätzt. Fußnote 3: Die Werte in 2024 für den Ausgabenträger Gesetzliche Unfallversicherung sind vorläufig. Fußnote 4: Die Werte in Euro je Einwohner wurden mit der durchschnittlichen Bevölkerung auf Basis des Zensus 2022 berechnet. Bevölkerungszahlen für das Berichtsjahr 2025 liegen noch nicht vor. Quellen: Gesundheitsausgabenrechnung Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026 und Fortschreibung des Bevölkerungsstandes Statistisches Bundesamt (Destatis), 2026

Die Ausgaben der Sozialhilfe sind im Rahmen der Gesundheitsausgabenrechnung ein Bestandteil der Ausgaben des Ausgabenträgers öffentliche Haushalte. Eine separate Ergebnisdarstellung der gesundheitsbezogenen Sozialhilfeleistungen erfolgt in der Gesundheitsausgabenrechnung nicht.

Beihilfeausgaben der öffentlichen und privaten Arbeitgeber werden im Rahmen der Gesundheitsausgabenrechnung dem Ausgabenträger Arbeitgeber zugeordnet. Eine separate Ergebnisdarstellung von Beihilfeleistungen erfolgt in der Gesundheitsausgabenrechnung nicht.

Frage 8 Seite 5

Wie erklären sich aus Sicht der Bundesregierung die Unterschiede in der Vergangenheit bei den direkten Krankheitskosten gemäß Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de/gbe/) zwischen den Geschlechtern?

Antwort

Die insgesamt höheren Pro-Kopf-Kosten bei Frauen sind neben typischen geschlechtsspezifischen Erkrankungen und den Kosten durch Schwangerschaft und Geburt vor allem auf die höhere Lebenserwartung beziehungsweise den größeren Anteil an den Älteren und Hochbetagten zurückzuführen. So waren von den fast 2,8 Millionen hochbetagten Menschen, die im Jahr 2023 mindestens 85 Jahre alt waren, knapp zwei Drittel (65,4 Prozent) weiblich.

Während im Jahr 2002 der Männeranteil bei den hochbetagten Menschen, die mindestens 85 Jahre alt waren, noch bei 24 Prozent lag, machte diese Gruppe im Jahr 2020 bereits 34 Prozent und im Jahr 2023 schon 35 Prozent aus. Somit kann die tendenzielle Angleichung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Kosten zwischen Männern und Frauen im Zeitverlauf auch durch eine Annäherung der Lebenserwartung begründet werden.

Grundsätzlich sind die Ursachen für die ungleiche Verteilung der Krankheitskosten zwischen Männern und Frauen in der Vergangenheit vielfältig. So können soziale und biologische Faktoren zu einem unterschiedlichen Gesundheits- und Vorsorgeverhalten führen. Zudem übernahmen Frauen in der Vergangenheit verstärkt die unentgeltliche Pflege ihres kranken Mannes oder An- und Zugehöriger, welche bei der Ermittlung der direkten Krankheitskosten nicht erfasst wurde. Beim Auftreten der eigenen Pflegebedürftigkeit hingegen waren Frauen oft auf professionelle Hilfe im Gesundheitssektor angewiesen, da gerade ältere hochbetagte Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung überdurchschnittlich oft allein lebten.

Frage 9 Seite 5

Welche statistisch auffälligen Änderungen bei den direkten Krankheitskosten pro Altersgruppe und Geschlecht in den jeweiligen ICD-10-Kapiteln gab es seit dem Jahr 2015?

Antwort

Die direkten Krankheitskosten je Einwohnerin beziehungsweise Einwohner und die absoluten Krankheitskosten nach Krankheitskapiteln und Geschlecht sowie Altersgruppe für die Berichtsjahre 2015, 2020 und 2023 können den Tabellen 5 bis 8 in der beigefügten Anlage 2 entnommen werden.* Die Krankheitskosten für die Berichtsjahre 2016 bis 2019, 2021 und 2022 liegen nicht vor, da die Krankheitskostenrechnung für diese Zeiträume nicht durchgeführt wurde. Aufgrund der hohen Komplexität erfolgt eine Auswahl von bestimmten Merkmalskombinationen für eine bessere Übersichtlichkeit in den Tabellen. Die tief gegliederten Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung der Anfrage sind in den Publikationssystemen GENESIS Online (www-genesis.destatis.de/d atenbank/online/statistic/23631/details) und im Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de) abrufbar.

Durch die Betrachtung der Pro-Kopf-Kosten werden die durchschnittlichen Krankheitskosten nach Krankheitskapiteln, Geschlecht und Altersgruppen besser vergleichbar. Die absoluten Krankheitskosten hingegen vermitteln ein Gesamtbild über die Kostenverteilung. Bei den Pro-Kopf-Kosten und den absoluten Krankheitskosten verursachen die Krankheiten des Kreislaufsystems bei den Männern im Zeitverlauf konstant die höchsten Kosten, bei den Frauen sind die psychischen und Verhaltensstörungen stets das kostenintensivste Krankheitskapitel. Die weitere Reihenfolge variiert jedoch.

In den Jahren 2015 und 2020 waren bei den absoluten Krankheitskosten die Krankheiten des Verdauungssystems die zweithöchsten Kostenverursacher bei Männern, gefolgt von dem Krankheitsbereich Psychische und Verhaltensstörungen im Jahr 2015 und Neubildungen im Jahr 2020. Im Berichtsjahr 2023 verursachten die psychischen und Verhaltensstörungen die zweithöchsten Kosten und Krankheiten des Verdauungssystems die dritthöchsten Kosten. Bei den Frauen waren in den Berichtsjahren 2015 und 2020 die Krankheiten des Kreislaufsystems die zweitstärksten Kostenträger, gefolgt von Krankheiten des Verdauungssystems im Jahr 2015 sowie Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes im Jahr 2020. Im Berichtsjahr 2023 hingegen verursachen die Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes die zweithöchsten Krankheitskosten bei den Frauen, gefolgt von Krankheiten des Kreislaufsystems und Krankheiten des Verdauungssystems.

Betrachtet man die Pro-Kopf-Krankheitskosten nach Altersgruppen, so fällt auf, dass diese bei den Frauen in vier der betrachteten sechs Altersgruppen und Berichtsjahren höher liegen als bei Männern. In den Altersgruppen der unter 15-Jährigen und der 65- bis unter 85-Jährigen liegen die Pro-Kopf Krankheitskosten der Männer über denjenigen der Frauen.

AnlageAnlage 2 – Tabellen 5-8 zu AW auf Frage 9 – Kleine Anfrage 21/5267

PDF-Seiten 10–15 (6 Seiten) · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen

Frage 10 Seite 6

Gibt es aus Sicht der Bundesregierung Lücken in der Datenlage, und wenn ja, wie sollen diese ggf. geschlossen werden?

Antwort

Das Forschungsdatenzentrum (FDZ) Gesundheit am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ist eine zentrale, in Deutschland einzigartige Infrastruktur zur datenschutzkonformen Bereitstellung von Gesundheitsdaten für Gesundheitsforschung, Versorgungstransparenz und Innovation. Es beinhaltet die Abrechnungsdaten aller gesetzlich Krankenversicherten und voraussichtlich ab Ende des Jahres 2026 für die Forschung freigegebene Daten aus der elektronischen Patientenakte.

Das FDZ Gesundheit wurde im Oktober 2025 eröffnet und wird es Nutzungsberechtigten ermöglichen, zu bestimmten Zwecken, insbesondere für die wissenschaftliche Forschung, Evaluation und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens, die Daten unter hohen Sicherheitsanforderungen bereitzustellen.

Es macht eine sektorenübergreifende, krankenkassenübergreifende und longitudinale Nutzung mit einem umfangreichen und repräsentativen Datensatz möglich. Die Abrechnungsdaten enthalten Informationen über Diagnosen, Therapien, Arzneimittelverordnungen, Krankenhausaufenthalte und die weitere Versorgung, nach Alter und Geschlecht und regional aufgeschlüsselt.

Zudem werden die Datenbereitstellungspflichten der im Jahr 2025 in Kraft getretenen EU-Verordnung zum Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS-VO) unmittelbar gelten. Die EHDS-VO wird die datenschutzkonforme Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke sowie die Sicherheit und Qualität der Versorgung deutlich verbessern. Dadurch werden Gesundheitsdaten einer Vielzahl unterschiedlicher Dateninhaber auf gesetzlicher Grundlage nutzbar gemacht.

Im Zusammenspiel mit weiteren Dateninhabern aus der Forschung entsteht so ein umfassend vernetztes Gesundheitsdatenökosystem, das eine umfassende Datengrundlage in Deutschland liefert.