Noch nicht beantwortet.
Vorbemerkung der Fragesteller
Die Sicherstellung einer lückenlosen, flächendeckenden und effizienten Arzneimittelversorgung bleibt eine zentrale Herausforderung für das deutsche Gesundheitswesen. Trotz gesetzlicher Initiativen wie dem Arzneimittel- Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) berichten Apotheken und Kliniken weiterhin von Engpässen bei essenziellen Wirkstoffen, insbesondere bei Antibiotika, Kinderarzneimitteln und Schlaganfall-Prophylaxemitteln (vgl. Bundestagsdrucksache 21/1567; www.deutscheapotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/02/04/lieferengpaesse-zeigt-das-albvv g-wirkung; www.progenerika.de/zwei-jahre-albvvg-wo-stehen-wir-heute/; www.iges.com/ergebnisse/projekte/2025/lieferengpaesse-bei-arzneimitteln/inde x_ger.html; https://anwendungen.pharmnet-bund.de/lieferengpassmeldungen/fa ces/public/meldungen.xhtml). Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wintersaison 2026/2027 stellt sich den Fragestellern die Frage nach der Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen sowie nach der Notwendigkeit weitergehender struktureller Anpassungen, um die Abhängigkeit von Wirkstoffherstellern im Nicht-EU-Ausland zu reduzieren.
Wie viele Arzneimittel sind bis heute in der Lieferengpass-Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet?
Wie haben sich Zahl und durchschnittliche Dauer der gemeldeten Engpässe bei pädiatrischen Arzneimitteln in den Jahren 2024, 2025 und 2026 entwickelt, und welche Veränderungen führt die Bundesregierung auf Maßnahmen des ALBVVG zurück?
Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen des aktuellen Rabattvertragssystems auf die Anbieterstruktur und eine mögliche Marktkonzentration bei Herstellern im asiatischen Raum?
Bei welchen versorgungsrelevanten Wirkstoffen besteht nach Kenntnis der Bundesregierung eine besonders hohe Produktionskonzentration, und wie verteilen sich die Produktionsstätten dieser Wirkstoffe auf Deutschland, die EU bzw. den Europäischen Wirtschaftstraum (EWR), China, Indien und sonstige Drittstaaten?
Erwägt die Bundesregierung Maßnahmen, um die Vergabe von Rabattverträgen künftig so zu gestalten, dass Zuschläge grundsätzlich auf mindestens zwei unterschiedliche Anbieter verteilt werden müssen, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen, wenn ja, welche, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Hat sich die Bundesregierung mit der Frage auseinandergesetzt, ob es sinnvoll wäre, bei der Vergabe von Rabattverträgen für versorgungsrelevante Arzneimittel verpflichtend vorzusehen, dass mindestens einer der Partner sowohl das Fertigarzneimittel als auch den Wirkstoff innerhalb der EU herstellt, wenn nein, warum nicht, und wenn ja, zu welcher Schlussfolgerung ist sie gelangt?
Welche Anreize setzt die Bundesregierung aktuell, um die Rückverlagerung der Wirkstoffproduktion nach Deutschland attraktiv zu gestalten und die „Apotheke der Welt“ wieder zu stärken?
In welcher Hinsicht begleitet die Bundesregierung gegebenenfalls konstruktiv die Maßnahmensetzung, um die Rückverlagerung der Wirkstoffproduktion in die EU attraktiv zu gestalten?
Bestehen seitens der Bundesregierung Überlegungen, im Falle kritischer Versorgungsengpässe bei lebensnotwendigen Medikamenten bzw. Wirkstoffen zeitlich befristete Exportverbote für diese Arzneimittel zu erlassen, um die inländische Versorgung zu priorisieren, und inwieweit sieht die Bundesregierung hierbei Spielräume im EU-Recht zum „Schutz der öffentlichen Gesundheit“?
Hält die Bundesregierung die aktuelle Verpflichtung des Großhandels zur Bevorratung für ausreichend, oder wäre eine Ausweitung der Vorhaltemenge auf mindestens zwei durchschnittliche Monatsbedarfe für versorgungsrelevante Arzneimittel ein geeignetes Mittel zur Pufferung von Lieferabrissen?
Wie kontrolliert die Bundesregierung die Einhaltung der Lagerhaltungspflichten im Jahr 2026, und welche Sanktionen wurden bei Verstößen verhängt?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über aktuelle Qualitätsmängel oder Rückrufe bei Wirkstoffen aus dem Nicht-EU-Ausland (z. B. China, Indien) im Jahr 2026?
Inwieweit könnte eine stärkere Förderung der Produktion in Deutschland und der EU dazu beitragen, das Risiko von großflächigen Rückrufen – wie in der Vergangenheit bei Valsartan – durch engmaschigere deutsche und europäische Qualitätskontrollen zu minimieren?