Vorbemerkung der Fragesteller
Vorbemerkung der Fragesteller
Die Deutsche Bahn AG (DB AG) verzeichnet jährlich eine Vielzahl von Störungen im Betriebsablauf, die zu erheblichen Verspätungen, Zugausfällen und Sicherheitsrisiken führen. Diese reichen von technischen Defekten über witterungsbedingte Störungen bis hin zu personenbedingten Vorfällen wie dem unbefugten Betreten von Gleisanlagen, Gewaltvorfällen, Suiziden, Diebstahl oder Vandalismus.
Jährlich kommt es zu mehreren tausend Fällen von „Personen im Gleis“, die den Bahnverkehr teilweise stundenlang lahmlegen (laut einem Pressebericht im Jahr 2022 über 4 000, im Jahr 2021 ca. 3 900 und im Jahr 2020 ca. 3 600 Fälle, www.spiegel.de/auto/bahn-ueberlegt-bei-personen-am-gleis-kuenftig-au f-sicht-weiterzufahren-a-96634944-7ac4-4e20-8df0-66a77d116d1f). Diese Vorfälle stellen nicht nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, sondern verursachen auch volkswirtschaftliche Schäden.
Trotz verschiedener Präventionsmaßnahmen wie verstärkter Videoüberwachung, baulicher Sicherungen oder Kampagnen bleibt die Zahl solcher Störungen im Betriebsablauf hoch. Vor diesem Hintergrund ist in den Augen der Fragesteller eine detaillierte Aufschlüsselung sowie eine kritische Bewertung der bisherigen Gegenmaßnahmen notwendig, um Handlungsdefizite zu identifizieren und wirksame Strategien zu entwickeln.
Wie viele dokumentierte Störungen im Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn AG gab es in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 insgesamt?
Laut Auskunft der DB AG werden Störungen, die sich auf den Bahnbetrieb
| Alle Züge Vmin/1000 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| VU-Code | 2022 | 2023 | 2024 | per 07.09.2025 | |
| 00 | unbegründete Verspätung | 5 353 | 4 167 | 5 581 | 572 |
| 10 | Fahrplanerstellung (Vertrieb) | 479 | 449 | 648 | 369 |
| 12 | Fehldisposition | 44 | 52 | 52 | 49 |
| 13 | Vorbereitung (Betrieb) | 42 | 44 | 31 | 17 |
| 14 | Anfangsverspätung bei Zügen des Netzes | 1 984 | 1 689 | 1 672 | 1 107 |
| 18 | Betriebliches Personal (Netz) | 776 | 565 | 842 | 512 |
| 19 | Sonstiges Betrieb Netz | 146 | 98 | 90 | 2 651 |
| 20 | Oberleitungsanlagen | 223 | 255 | 294 | 240 |
| 21 | Telekommunikationsanlagen | 106 | 143 | 112 | 122 |
| 22 | Bauwerke | 246 | 244 | 127 | 430 |
| 23 | Fahrbahn | 1 057 | 955 | 1 136 | 819 |
| 24 | Bahnübergangssicherungsanlagen | 901 | 989 | 1 036 | 818 |
| 25 | Anlagen Leit- und Sicherungstechnik | 3 023 | 3 065 | 3 426 | 2 723 |
| 26 | Weichen | 1 550 | 1 597 | 1 861 | 1 419 |
| 27 | Netzfahrzeuge | 26 | 30 | 26 | 15 |
| 28 | Technisches Personal (Netz) | 112 | 88 | 134 | 106 |
| 29 | Sonstiges Technik Netz | 153 | 131 | 137 | 108 |
| 30 | Mängellangsamfahrstelle | 601 | 650 | 889 | 612 |
| 31 | Bauarbeiten | 7 320 | 7 873 | 9 244 | 6 622 |
| 32 | Unregelmäßigkeiten bei Bauarbeiten | 994 | 1 049 | 1 250 | 915 |
| 40 | Nächstes EIU | 2 041 | 1 254 | 1 660 | 1 059 |
| 41 | Vorheriges EIU | 1 477 | 1 380 | 1 594 | 1 003 |
| 46 | Anlagen DB Energie | 94 | 94 | 140 | 52 |
| 47 | Anlagen S&S | 22 | 21 | 37 | 21 |
| 48 | Personal S&S und DB Energie | 10 | 8 | 8 | 4 |
| 49 | sonstiges S&S und DB Energie | 2 | 1 | 1 | 3 |
| 50 | Haltezeitüberschreitung | 3 624 | 3 213 | 3 204 | 2 066 |
| 51 | Antrag EVU | 5 181 | 4 562 | 4 833 | 3 634 |
| 52 | Ladearbeiten | 169 | 152 | 138 | 89 |
| 53 | Unregelmäßigkeiten an der Ladung | 117 | 131 | 128 | 70 |
| 54 | Verkehrliche Zugvorbereitung | 59 953 | 59 009 | 63 734 | 42 747 |
| 57 | keine Meldung durch EVU | 9 873 | 7 905 | 7 462 | 5 584 |
| 58 | Verkehrliches Personal EVU | 875 | 674 | 810 | 582 |
| 59 | sonstige verkehrliche Gründe EVU | 936 | 804 | 937 | 753 |
| 60 | Umlauf-Einsatzplanung | 10 327 | 8 970 | 8 947 | 6 152 |
| 61 | Zugbildung durch EVU | 3 258 | 2 558 | 2 179 | 1 175 |
| 62 | Reisezugwagen | 194 | 181 | 159 | 111 |
| 63 | Güterwagen | 588 | 482 | 466 | 382 |
| 64 | Triebfahrzeuge | 3 417 | 3 403 | 3 316 | 2 318 |
| 68 | Technisches Personal (EVU) | 3 747 | 3 653 | 3 716 | 2 807 |
| 69 | Sonstiges Fahrzeuge EVU | 71 | 71 | 70 | 52 |
| 70 | Nächstes EVU | 1 685 | 1 430 | 1 501 | 1 021 |
| 71 | Vorheriges EVU | 879 | 770 | 649 | 420 |
| 80 | Externe Einflüsse nächstes EIU | 43 | 41 | 51 | 9 |
| 81 | Anordnung NLZ – Streik | 2 | 459 | 405 | 0 |
| 82 | Witterung | 988 | 756 | 559 | 137 |
| 83 | Schmierfilm | 39 | 57 | 35 | 8 |
| 84 | Behörden | 1 567 | 1 460 | 1 505 | 1 047 |
| 85 | Fremdeinwirkung | 2 351 | 2 019 | 1 930 | 1 424 |
| 90 | Gefährliche Ereignisse | 2 524 | 2 430 | 2 314 | 1 575 |
| 91 | Zugfolge (betroffener Zug war plan) | 16 771 | 17 320 | 17 762 | 13 437 |
| 92 | Zugfolgen (betroffener Zug war verspätet) | 38 768 | 37 767 | 42 066 | 32 056 |
| 93 | Wende | 10 650 | 9 760 | 11 312 | 9 020 |
| 94 | Anschluss | 579 | 563 | 564 | 377 |
| 95 | Flügeln | 804 | 799 | 808 | 592 |
2Wie verteilen sich die Störungen auf die Hauptkategorien nach der Kodierliste der DB InfraGO AG gemäß deren Richtlinie 420.9001A01
2aBetreiber der Schienenwege (u. a. Störungen an Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik, Telekommunikationsanlagen, Bauwerke, Fahrbahn, Bahnübergangssicherungsanlagen, Weichen, Oberleitungsstörungen etc.),
2bEisenbahnverkehrsunternehmen (EVU; u. a. Störungen an Triebfahrzeugen, Reisezugwagen, Güterwagen etc., Ausfall von Fahrpersonal),
2cexterne Einflüsse (u. a. Streik, Witterung, Schmierfilm, behördliche Anordnungen, Fremdeinwirkung etc.),
2dsekundäre Einflüsse (u. a. gefährliche Ereignisse etc.)?
Die Werte lassen sich den Zielen mit den entsprechenden VU-Codes aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen:
a) VU-Code 20–26 in der Tabelle
b) VU-Code 50–68 in der Tabelle
c) VU-Code 70–85 in der Tabelle
d) VU-Code 90–95 in der Tabelle.
In wie vielen Fällen erfolgte keine Meldung durch das EVU bei Störungen im Betriebsablauf?
Die Werte lassen sich der Zeile „VU-Code 57“ aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
Wie viele Fälle entstanden durch Störungen an Stromversorgungsanlagen, Telekommunikationsanlagen, Bauwerken, Fahrbahnen, Bahnübergangssicherungsanlagen, Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik, Weichen, durch Mängel am Oberbau bzw. Mängellangsamfahrstellen und Störungen an Anlagen der DB Energie (vgl. Frage 2a, bitte einzeln und nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes 46–49 aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
Wie viele Fälle entstanden durch Haltezeitüberschreitungen, Ladearbeiten, Unregelmäßigkeit an der Ladung sowie durch Störungen an Triebfahrzeugen, Reisezugwagen und Güterwagen (vgl. Frage 2b, bitte einzeln und nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes 50–54 und 58–69 aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
Wie viele Fälle entstanden durch Streik, Witterung, Schmierfilm, Behörden und Fremdeinwirkung (vgl. Frage 2c, bitte einzeln und nach Jahren getrennt aufführen, Zeiträume wie in Frage 1 erfragt)?
Die Werte lassen sich den Zeilen der VU-Codes VU 80–85 aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
In wie vielen Fällen handelte es sich um unbefugtes Betreten von Gleisanlagen?
Die Werte lassen sich der Zeile der VU-Codes 85 aus der in der Antwort zu Frage 1 aufgeführten Tabelle entnehmen.
Wie verteilen sich die Fälle des unbefugten Betretens von Gleisanlagen jeweils nach Altersgruppen (unter 14 Jahre, 14 bis 17 Jahre, 18 bis 24 Jahre, 25 bis 40 Jahre, 41 bis 60 Jahre, über 60 Jahre)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
Wie verteilen sich diese Fälle unbefugten Betretens nach Staatsangehörigkeit (bitte die fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten gesondert ausweisen und übrige zusammenfassen)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
Wie hoch ist der geschätzte wirtschaftliche Schaden, der durch Störungen im Betriebsablauf in den Jahren 2022, 2023, 2024 und im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 entstanden ist, jeweils differenziert nach den Kategorien in Frage 2?
Bei Störungen im Betriebsablauf, z. B. auf Grund von Störungen an Leit- und Sicherungstechnik etc., werden nach Angaben der DB AG keine wirtschaftlichen Schäden erfasst. Informationen der Eisenbahnverkehrsunternehmen dazu liegen der DB InfraGO AG nicht vor.
a) Bei Störungen im Betriebsablauf durch die EVUs entstehen der DB InfraGO AG keine wirtschaftlichen Schäden. Die Entgelte sind durch die EVU trotz Ausfall zu entrichten.
b) In den Jahren 2022 bis 2025 kam es zu Umsatzausfällen aufgrund von Streiks in folgender Höhe.
| Jahr | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Anzahl Streiks | 0 | 5 | 4 | 0 |
| Wirtschaftliche Schäden | 0 | 35,7 Mio. Euro | 40,5 Mio. Euro | 0 |
c) In den Jahren 2022 bis 2025 ist es durch Großereignisse zu folgenden wirtschaftlichen Schäden gekommen (in Euro).
| Schaden pro Jahr | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| 184 374 914 | 78 466 831 | 108 712 931 | 49 700 000 |
Diese Schäden sind zum Teil durch Bundeszuschüsse gegenfinanziert.
Welche Hauptgründe wurden bei polizeilicher Erfassung für das Betreten der Gleisanlagen angegeben (z. B. Suizidabsicht, Abkürzung, Flucht vor Kontrollen, Vandalismus, sonstige)?
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren ggf. ergriffen, um das unbefugte Betreten von Gleisanlagen zu verhindern, und wie bewertet sie die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
Zur Verhinderung von unberechtigten Gleisbetretungen werden Brennpunkte von der Bundespolizei bestreift und anlassbezogen überwacht. Darüber hinaus hat die Bundespolizei in den zurückliegenden Jahren die Präventionsarbeit erhöht. Diese beinhaltet die Aufklärung über die Gefahren auf dem Gebiet der Bahnanlagen der Eisenbahnen des Bundes, insbesondere auch durch das unberechtigte Betreten der Gleise. Ergänzend tauschen sich DB AG und Bundespolizei im Rahmen der bestehenden Ordnungspartnerschaft hinsichtlich etwaiger Lageerkenntnisse, ihrer Maßnahmen sowie der Präventionsarbeit fortlaufend aus.
Bestehen technische Möglichkeiten für Zugangskontrollen oder physische Barrieren an besonders betroffenen Streckenabschnitten, wenn ja, wurden diese, soweit möglich, flächendeckend eingeführt, und wenn nein, warum nicht?
Aufgrund der Größe des Streckennetzes (ca. 33 000 km Länge) und der Einbettung in die Umgebung ist dies nicht möglich. Selbst die Einzäunung von „besonders sensiblen Stellen“ würde Tausende Kilometer Streckennetz betreffen. Hinzu kommt, dass Rettungskräften und Instandhaltungspersonal stets freier Zugang zum Schienennetz möglich bleiben muss.
Welche Rolle spielt die personelle Ausstattung der Bundespolizei im Bereich Bahnanlagen bei der Prävention und Verfolgung solcher Vorfälle, und inwiefern ist diese aus Sicht der Bundesregierung ausreichend?
Seitens der Bundespolizei werden rund 5 000 Beamte zum Schutz der Bahninfrastruktur und der Reisenden eingesetzt. Die personelle Ausstattung hat sich als ausreichend erwiesen.
Welche Kooperationen zwischen der Deutschen Bahn AG, der Bundespolizei und den Ländern bestehen ggf. zur Bekämpfung von Vandalismus und Gewalt im Bahnverkehr, und welche messbaren Ergebnisse haben diese ggf. erbracht?
Zwischen der DB AG und der Bundespolizei besteht eine sogenannte Ordnungspartnerschaft, in der z. B. über gemeinsame Maßnahmen beraten wird oder Erkenntnisse ausgetauscht werden. Die gemeinsamen Bemühungen von Bundespolizei und DB Sicherheit zum Schutz der Infrastruktur führen immer wieder zu Täterstellungen.
Wie hoch ist der Anteil der Störungen im Betriebsablauf, die auf mutmaßliche Sabotagehandlungen zurückzuführen sind, und welche Ermittlungsfortschritte wurden dabei in den letzten drei Jahren erzielt?
Die Verspätungsminuten durch Fremdverschuldungen werden in der VU 85 verbucht (siehe Tabelle in der Antwort zu Frage 1). Betriebliche Daten enthalten keine Informationen über die Täter oder deren Motivation.
17In wie vielen Fällen kam es aufgrund von Störungen im Betriebsablauf zu
17avollständigen Sperrungen von Streckenabschnitten,
Nach Angabe der DB AG liegen hierzu keine Informationen vor.
Verspätungen im Fernverkehr von mehr als 30 Minuten,
Zusatzverspätungen werden ab einer Verspätung von 90 Sekunden kodiert. Zahlen zu anderen Schwellen liegen der DB InfraGO AG nicht vor.
Verspätungen im Regionalverkehr von mehr als 30 Minuten,
Auf die Antwort zu Frage 17b wird verwiesen.
vollständigen Zugausfällen?
Zugausfälle sind eine EVU-Kennzahl. Die DB InfraGO AG führt keine vollumfängliche Statistik über ausgefallene Züge, da die EVU nicht alle Zugausfälle mitteilen.
Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, ob bestimmte Streckenabschnitte oder Bahnhöfe besonders häufig von sicherheitsrelevanten Störungen im Betriebsablauf betroffen sind, und wenn ja, welche?
Unabhängig von betrieblichen Auswirkungen befinden sich auf Schwerpunkte für einschlägige Störungen im Ruhrgebiet, im Großraum Berlin und im Großraum Leipzig.
Aus welchen Gründen existieren keine bundesweit einheitlichen, öffentlich zugänglichen Statistiken zu allen relevanten Störungen im Betriebsablauf, und plant die Bundesregierung, dies zu ändern?
Statistiken sind im Infrastrukturzustandsbericht (IZB) verfügbar.