Leerstand von bundeseigenen Immobilien in Deutschland

Drucksache 21/5160Antwortauf die Kleine Anfrage 21/470130.03.20269 Seiten9 FragenFraktion der AfDBundesministerium der FinanzenRaumordnung, Bau- und WohnungswesenÖffentliche Finanzen, Steuern und Abgaben1 Anlage als PDF
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in zahlreichen Regionen der Bundesrepublik Deutschland führt seit Jahren zu steigenden Mieten, einem zunehmenden Nachfrageüberhang und erheblichen sozialen wie wirtschaftlichen Belastungen für Mieter und öffentliche Haushalte. Vor diesem Hintergrund kommt dem bundeseigenen Immobilienbestand in den Augen der Fragesteller eine besondere Bedeutung zu. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet als zentrale Immobilieneigentümerin des Bundes ein umfangreiches Portfolio an Wohnungen, Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern und weiteren Liegenschaften. Als Anstalt des öffentlichen Rechts trägt sie Verantwortung für die wirtschaftliche Nutzung, Entwicklung und Bewirtschaftung dieser Immobilien im Interesse des Bundeshaushalts und der Allgemeinheit. Angesichts der angespannten Wohnungsmärkte stellt sich den Fragestellern die Frage, in welchem Umfang Wohnimmobilien im Eigentum der BImA tatsächlich genutzt werden, wie hoch bestehende Leerstände sind, welche Gründe hierfür maßgeblich sind und welche finanziellen Auswirkungen daraus resultieren. Insbesondere ist für die Fragesteller von Interesse, wie sich die Anzahl und der Anteil leerstehender Immobilien seit dem 1. Januar 2023 entwickelt haben, wie hoch der bestehende Sanierungsbedarf ist und welche Mietausfälle der öffentlichen Hand durch ungenutzte Liegenschaften entstehen. Eine transparente und differenzierte Darstellung nach Bundesländern und Immobilienarten ist nach Auffassung der Fragesteller erforderlich, um bewerten zu können, ob die vorhandenen Immobilienbestände effizient bewirtschaftet werden und welche Maßnahmen zur Reduzierung von Leerständen vorgesehen sind. Die nachfolgenden Fragen dienen daher der umfassenden parlamentarischen Kontrolle sowie der Bewertung der wirtschaftlichen und wohnungspolitischen Auswirkungen des bundeseigenen Immobilienbestands.

Frage 1 + 1a + 1b + 1c Seite 2

1Über wie viele

1aWohnungen,

1bEinfamilienhäuser,

1cMehrfamilienhäuser verfügt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben insgesamt, und wie hat sich die Anzahl seit dem 1. Januar 2023 entwickelt (bitte jeweils nach Bundesländern auflisten)?

Antwort

Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verfügt diese aktuell über rund 38 200 Wohnungen, wovon sich rund 33 700 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern befinden (entspricht rund 88 Prozent des BImA-Wohnungsbestandes). Im Betrachtungszeitraum von 2023 bis 2026 ist der Wohnungsbestand der BImA nahezu konstant geblieben und stellt sich wie folgt dar.

Tabelle auf Seite 2 · 17 Zeilen × 7 Spalten
31. Dezember 202228. Februar 2026 (aktuell)
BundeslandEFHWohnungenMFHEFHWohnungenMFH
Baden-Württemberg1824 2874971774 371512
Bayern1125 2964051015 208404
Berlin1764 7142521754 906270
Brandenburg81 4787741 46775
Bremen7841357812
Hamburg82185298228433
Hessen762 192190752 189197
Mecklenburg-Vorpommern152 673116152 670116
Niedersachsen1 3931 2562901 3711 197282
Nordrhein-Westfalen2 1264 5937272 1434 557696
Rheinland-Pfalz242 961303252 871295
Saarland84542346952834
Sachsen21 7608021 76080
Sachsen-Anhalt17168331416833
Schleswig-Holstein2272705024828753
Thüringen11 1745201 17452
Summe4 53233 6333 1484 50633 7153 144
Frage 2 Seite 2

Wie viele der in Frage 1 gelisteten Liegenschaften im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben stehen aktuell leer (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

Antwort

Die BImA gibt an, dass sie zum Stichtag 28. Februar 2026 Eigentümerin von rund 37 200 marktaktiven Wohnungen ist, welche dem Wohnungsmarkt zu Wohnzwecken zur Verfügung stehen. Hinzu kommen rund 1 000 nicht marktaktive Wohnungen, welche aufgrund von anderen Verwertungsoptionen nicht zur Wiedervermietung vorgesehen sind. Aktuell (Stichtag 28. Februar 2026) stehen insgesamt rund 4 460 Wohnungen leer und verteilen sich wie folgt.

Marktaktiver Leerstand

Tabelle auf Seite 2, 3 · 17 Zeilen × 4 Spalten
BundeslandEFHWohnungenGesamtergebnis
Baden-Württemberg3365368
Bayern5243248
Berlin17221238
Brandenburg17879
Bremen11920
Hamburg8917
Hessen9236245
Mecklenburg-Vorpommern3240243
Niedersachsen160186346
Nordrhein-Westfalen225467692
Rheinland-Pfalz1468469
Saarland52530
SachsenKeine Angabe261261
Sachsen-AnhaltKeine Angabe33
Schleswig-Holstein3882120
ThüringenKeine Angabe5555
Gesamtergebnis4762 9583 434

Nicht marktaktiver Leerstand

Tabelle auf Seite 3 · 17 Zeilen × 4 Spalten
BundeslandEFHWohnungenGesamtergebnis
Baden-Württemberg9171180
Bayern21173194
Berlin31922
Brandenburg11011
Bremen11718
Hamburg32326
Hessen23739
Mecklenburg-VorpommernKeine Angabe22
Niedersachsen5271123
Nordrhein-Westfalen40129169
Rheinland-Pfalz29698
SaarlandKeine Angabe4848
SachsenKeine Angabe3434
Sachsen-Anhalt268
Schleswig-Holstein282250
ThüringenKeine AngabeKeine AngabeKeine Angabe
Gesamtergebnis1648581 022
Frage 3 Seite 3

Wie hat sich die Anzahl leerstehender Immobilien im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben seit dem 1. Januar 2023 jährlich entwickelt (bitte nach Bundesländern und Immobilienart aufschlüsseln)?

Antwort

Die Aufschlüsselung der leerstehenden Wohnungen nach Bundesländern ergibt sich nach Angaben der BImA wie folgt.

Tabelle auf Seite 3, 4 · 17 Zeilen × 9 Spalten
12/202212/202312/202412/2025
BundeslandEFHWohnungenEFHWohnungenEFHWohnungenEFHWohnungen
Baden-Württemberg22536204881960614512
Bayern22463234382845923354
Berlin13213142061617220206
Brandenburg21162106378474
Bremen228033137234
Hamburg1849214519481336
Hessen6345532684009278
Mecklenburg- Vorpommern2338237723543239
Niedersachsen203364215380209298214250
Nordrhein- Westfalen347667338683303736240570
Rheinland- Pfalz0647269827103566
Saarland311821474116672
Sachsen0255026202660290
Sachsen-Anhalt31021021029
Schleswig- Holstein38954785529063104
Thüringen146027049052
Summe6824 2906934 3116684 4296163 646

Die des Weiteren im Eigentum der BImA befindlichen Gewerbe- und Dienstliegenschaften umfassen nach Angaben der BImA insgesamt rund 45 Millionen Quadratmeter Gebäudeflächen. Das in der anliegenden Tabelle „Anlage zu den Fragen 3 und 4“ dargestellte Gewerbeportfolio ist sehr heterogen. Es umfasst sowohl großflächige, ehemals militärisch genutzte Liegenschaften mit unterschiedlichen Gebäudetypen, wie beispielsweise Bunker, als auch sakrale Bauten und gastronomische Objekte. Eine detaillierte Aufschlüsselung nach allen einzelnen Immobilienarten ist wegen des Portfolioumfangs und des damit verbundenen erheblichen Zeitaufwands nicht möglich.*

Das Portfolio im ELM-Klassik (Dienstliegenschaften ohne Bundeswehr) stellt sich gleichfalls sehr heterogen dar und beinhaltet u. a. Labore, genauso wie Bürogebäude und Lagerhallen, die zudem in vielen Fällen noch in Mischformen vorhanden sind. Eine Einzelaufschlüsselung ist daher auch für diese Liegenschaften im Rahmen eines vertretbaren Zeitaufwands nicht möglich. Im Bereich ELM-Bundeswehr verzeichnet die BImA keinen Leerstand, hält aber Gebäudeleerstände aus dem Gewerbeportfolio als strategische Liegenschaftsreserve für die Bundeswehr bereit. Einzelheiten zum Gewerbeportfolio und zum Bereich ELM-Klassik sind der anliegenden Tabelle „Anlage zu den Fragen 3 und 4“ zu entnehmen.

AnlageAnlage (Tabelle: Fläche ELM-Klassik u. a.)

PDF-Seite 8 · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen

Frage 4 Seite 4

Wie hat sich der prozentuale Anteil leerstehender Immobilien im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben seit dem 1. Januar 2023 jährlich entwickelt (bitte nach Bundesländern und Immobilienart aufschlüsseln)?

Antwort

Die BImA führt hierzu aus, dass in den Jahren 2022 bis 2024 die Wohnungsleerstandquote konstant bei rund 13 Prozent gelegen habe. Im Jahr 2025 sank diese durch die eingeleiteten Maßnahmen im Rahmen der Umsetzung des aufgelegten Sofortprogramms zum Abbau des Wohnungsleerstands insgesamt auf 11,2 Prozent, im marktaktiven Bestand auf 8,4 Prozent. Für das Jahr 2026 wird seitens der BImA eine Leerstandquote im marktaktiven Bestand von unter 6 Prozent angestrebt. Die Aufschlüsselung nach Bundesländern ergibt sich nach Angaben der BImA wie folgt.

Tabelle auf Seite 5 · 16 Zeilen × 11 Spalten
12/202212/202312/202412/202502/2026 (aktuell)
BundeslandEFHWohn­ ungenEFHWohn­ ungenEFHWohn­ ungenEFHWohn­ ungenEFHWohn­ ungen
Baden-Württemberg0,06 Prozent1,40 Prozent0,05 Prozent1,28 Prozent0,05 Prozent1,59 Prozent0,04 Prozent1,34 Prozent0,03 Prozent1,40 Prozent
Bayern0,06 Prozent1,21 Prozent0,06 Prozent1,15 Prozent0,07 Prozent1,20 Prozent0,06 Prozent0,93 Prozent0,07 Prozent1,09 Prozent
Berlin0,03 Prozent0,56 Prozent0,04 Prozent0,54 Prozent0,04 Prozent0,45 Prozent0,05 Prozent0,54 Prozent0,05 Prozent0,63 Prozent
Brandenburg0,01 Prozent0,30 Prozent0,01 Prozent0,28 Prozent0,01 Prozent0,20 Prozent0,01 Prozent0,19 Prozent0,01 Prozent0,23 Prozent
Bremen0,01 Prozent0,07 Prozent0,00 Prozent0,09 Prozent0,00 Prozent0,10 Prozent0,01 Prozent0,09 Prozent0,01 Prozent0,09 Prozent
Hamburg0,05 Prozent0,13 Prozent0,06 Prozent0,12 Prozent0,05 Prozent0,13 Prozent0,03 Prozent0,09 Prozent0,03 Prozent0,08 Prozent
Hessen0,02 Prozent0,90 Prozent0,01 Prozent0,86 Prozent0,02 Prozent1,05 Prozent0,02 Prozent0,73 Prozent0,03 Prozent0,71 Prozent
Mecklenburg-Vorpommern0,01 Prozent0,89 Prozent0,01 Prozent0,99 Prozent0,01 Prozent0,93 Prozent0,01 Prozent0,63 Prozent0,01 Prozent0,63 Prozent
Niedersachsen0,53 Prozent0,95 Prozent0,56 Prozent1,00 Prozent0,55 Prozent0,78 Prozent0,56 Prozent0,66 Prozent0,55 Prozent0,67 Prozent
Nordrhein-Westfalen0,91 Prozent1,75 Prozent0,89 Prozent1,79 Prozent0,79 Prozent1,93 Prozent0,63 Prozent1,49 Prozent0,69 Prozent1,56 Prozent
Rheinland-Pfalz0,00 Prozent1,70 Prozent0,01 Prozent1,83 Prozent0,01 Prozent1,86 Prozent0,01 Prozent1,48 Prozent0,01 Prozent1,48 Prozent
Saarland0,01 Prozent0,31 Prozent0,01 Prozent0,39 Prozent0,01 Prozent0,30 Prozent0,02 Prozent0,19 Prozent0,01 Prozent0,19 Prozent
Sachsen0,00 Prozent0,67 Prozent0,00 Prozent0,69 Prozent0,00 Prozent0,70 Prozent0,00 Prozent0,76 Prozent0,00 Prozent0,77 Prozent
Sachsen-Anhalt0,01 Prozent0,03 Prozent0,01 Prozent0,03 Prozent0,01 Prozent0,03 Prozent0,01 Prozent0,02 Prozent0,01 Prozent0,02 Prozent
Schleswig-Holstein0,10 Prozent0,25 Prozent0,12 Prozent0,22 Prozent0,14 Prozent0,24 Prozent0,17 Prozent0,27 Prozent0,17 Prozent0,27 Prozent
Thüringen0,00 Prozent0,12 Prozent0,00 Prozent0,07 Prozent0,00 Prozent0,13 Prozent0,00 Prozent0,14 Prozent0,00 Prozent0,14 Prozent

Die Aufschlüsselung zu den Gewerbe- und Dienstliegenschaften ist der anliegenden Tabelle „Anlage zu den Fragen 3 und 4“ zu entnehmen.*

Frage 5 Seite 6

Welches sind aktuell die fünf häufigsten Gründe für den Leerstand von Immobilien im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben?

Antwort

Nach Angaben der BImA sind im Bereich des Wohnungsbestandes die fünf häufigsten Leerstandgründe: Wohnungsherrichtung, energetische Sanierung, Neuvermietung, keine Nutzbarkeit und Verwertungsprüfung.

Die fehlende Nutzbarkeit einer Liegenschaft begründet sich laut BImA u. a. im Rückbau der Wohngebäude zwecks Revitalisierung, laufenden Modernisierungen, Neubau, fehlendem Baurecht für anberaumte Bau – oder Sanierungsprojekte im Bestand.

Die fünf häufigsten Leerstandgründe der im BImA-Eigentum stehenden Dienstliegenschaften und Gewerbeimmobilien sind nach Angaben der BImA: fehlendes Planungsrecht, keine Nutzbarkeit, Fluktuation, Verwertung und Vorhalteflächen Bundesnutzung.

Frage 6 Seite 6

Welche Pläne hinsichtlich der Reduzierung des Leerstandes von Immobilien im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat die Bundesregierung aktuell?

Antwort

Um dem Leerstand im BImA-Wohnungsbestand gezielt und beschleunigt zu begegnen, wurde im Jahr 2024 das „Sofortprogramm zum Abbau des Wohnungsleerstandes der BImA“ entwickelt, welches die BImA nunmehr im Rahmen ihrer eigenverantwortlichen Aufgabenwahrnehmung umsetzt. Ziel des auf zwei Jahre (2025–2026) angelegten Programms ist es, den marktaktiven Leerstand bis Ende 2026 auf ein marktübliches Niveau zu reduzieren.

Die BImA hat den Gebäudeleerstand in den Portfolien Dienstliegenschaften und Gewerbeimmobilien nach eigenen Angaben seit 2020 durch Sanierungs- und Baumaßnahmen ebenfalls erheblich reduziert und arbeitet fortgesetzt daran, diesen Leerstand weiter zu reduzieren.

Frage 7 + 7a + 7b Seite 6

7Auf welche Summe beläuft sich der Sanierungsbedarf der

7aungenutzten und

7bgenutzten Liegenschaften im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (bitte nach Bundesländern auflisten)?

Antwort

Die BImA verfügt hierzu nach eigenen Angaben über keine Daten.

Frage 8 Seite 6

Auf welche Summe beliefen sich seit dem 1. Januar 2023 die Mieteinnahmen, die der öffentlichen Hand durch Leerstände von Immobilien im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verlorengehen?

Antwort

Der BImA verfügt hierzu nach eigenen Angaben über keine Daten.

Frage 9 Seite 7

Auf welche Summe belaufen sich die monatlichen Mieteinnahmen seit dem 1. Januar 2023, die der öffentlichen Hand aufgrund des Eigentums an Immobilien zukommen?

Antwort

Die BImA teilt mit, dass die Mieterlöse im Portfolio Wohnen im Jahr 2023 rund 206 Mio. Euro, im Jahr 2024 rund 206 Mio. Euro, im Jahr 2025 rund 211 Mio. Euro und in den Monaten Januar – Februar 2026 insgesamt rund 39 Mio. Euro betrugen.

Für den Geschäftsbereich Gewerbe gibt die BImA an, dass Mieten in Höhe von 33,5 Mio. Euro im Jahr 2023, 32,4 Mio. Euro im Jahr 2024 und 30,8 Mio. Euro im Jahr 2025 vereinnahmt wurden.

Für den Geschäftsbereich ELM-Klassik wurden 1,296 Mrd. Euro im Jahr 2023, 1,307 Mrd. Euro im Jahr 2024 und 1,305 Mrd. Euro im Jahr 2025 vereinnahmt.

Für den Geschäftsbereich ELM-Bundesehr wurden 2,778 Mrd. Euro im Jahr 2023, 2,943 Mrd. Euro im Jahr 2024 und 2,983 Mrd. Euro im Jahr 2025 vereinnahmt.