Entwicklung von Erzeugerkosten in der deutschen Landwirtschaft

Drs. 21/8787Antwort auf 21/8505AfD26.10.2026Zuständig: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und HeimatThema: Landwirtschaft und Ernährung
Vorbemerkung der Fragesteller

Vorbemerkung der Fragesteller

Die Stimmung auf den deutschen landwirtschaftlichen Betrieben hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wie die Landwirtschaftliche Rentenbank in ihrem aktuellen Agrarbarometer für den Sommer 2026 mitteilt, sank der Geschäftsklima-Index auf -2,9 Punkte. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 2016. Zum Vergleich: Noch im März 2026 lag der Wert bei -2,6 Punkten. Hauptverantwortlich für die gedrückte Stimmung sind laut der Umfrage die massiven Kostensteigerungen, insbesondere bei Energierohstoffen und Düngemitteln. Während 66 Prozent der unzufriedenen Landwirte die hohen Betriebsmittel- und Energiepreise als Hauptgrund nennen, klagen 39 Prozent über zu niedrige Verkaufspreise für pflanzliche Erzeugnisse. Die landwirtschaftlichen Betriebe in Schleswig-Holstein geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Die Produktion heimischer Erdbeeren sowie heimischen Spargels und Gemüses und damit die Arbeitsplatzsicherheit ist jedoch nur unter tragfähigen Rahmenbedingungen möglich, betont der Bauernverband. Und fester Bestandteil bei der Erzeugung regionaler Lebensmittel sind Saisonarbeiter. In Schleswig-Holstein sind jährlich rund 11 000 Saisonarbeitskräfte im Einsatz. Bis zu 80 Prozent der Arbeit erfolgt per Hand. Ein typischer Spargel- oder Erdbeerbetrieb benötigt in der Hochsaison bis zu 150 Arbeitskräfte gleichzeitig. Fällt dieses Personal weg oder wird unbezahlbar, bleibt die Ernte liegen – mit direkten Folgen für Angebot, Preise und Importabhängigkeit (www.topagrar.com/betri ebsleitung/news/hofe-am-limit-kosten-bei-obst-und-gemusebetrieben-explodie ren-20024995.html).

Die Betriebe müssen die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13,90 Euro pro Stunde, Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung mit rund 20 Prozent zusätzlich, Unterkunftskosten, Kosten für Organisation, Transport und Verwaltung stemmen. Betriebsmittel wie Dünger und Kraftstoff sind noch nicht mit eingerechnet. Auch der zunehmende Druck durch Importware belastet die Betriebe laut dem Bauernverband aus Rendsburg massiv. Und wenn das Wetter nicht mitspielt, gilt es, Verluste auszugleichen. In Norddeutschland seien bereits Flächenrückgänge im Erdbeeranbau von bis zu 15 Prozent zu verzeichnen, weil Betriebe aufgeben. Die Kostenbelastung der Betriebe sei sehr hoch und werde zur Existenzfrage, so der Verband (www.agrarheute.com/management/agribusiness/miese-stimmung-allem-ackerbau-66-landwirte-bekl agen-kostenexplosion-641958).

Frage 1 Seite 2

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Preise für Mineraldünger in der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (https://markt.agrarheute.com/duengemittel/ und wenn ja, bitte Preis je Tonne Kalkammonsalpeter, Diammonphosphat, Harnstoff, Kieserit, Schwefelsauerer Ammoniumphosphat angeben)?

Antwort

Auskunft über die Preisentwicklung landwirtschaftlicher Betriebsmittel liefert der Index der Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel des Statistischen Bundesamtes, abrufbar unter dem Link https://genesis.destatis.de/datenba nk/online/url/01c2ff3f. Die in den Fragen 1 bis 3 sowie auch 6 bis 10 erbetenen Informationen ergeben sich, soweit amtlich erhoben, aus diesen Daten. In der Datenbank wird zudem ab dem Wirtschaftsjahr 2020/2021 bei den Düngemitteln auch die Untergliederung nach Einzelnährstoff- und Mehrnährstoffdünger zur Verfügung gestellt.

Absolute Preise für Düngemittel für Stickstoff, Phosphorsäure, Kali und Kalk sind der Tabelle 5020200 des Statistischen Jahrbuchs über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter dem Link www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/5020100-0000.xlsx zu entnehmen. Werte für das Wirtschaftsjahr 2025/2026 liegen noch nicht vor. Detailliertere Angaben nach einzelnen Nährstoffen werden in der amtlichen Statistik nicht erhoben und liegen der Bundesregierung daher nicht vor.

Frage 2 Seite 2

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Dieselpreise in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (https://energie.baywa.de/mobilit aet/dieselkraftstoffe/dieselpreisrechner/suche/diesel/, und wenn ja, bitte auch die Entwicklung der Steueranteile in Euro pro Liter angeben)?

Antwort

Der Preisindex für die landwirtschaftlichen Treibstoffpreise wird in der Datenbank (siehe Antwort zu Frage 1) unter dem Merkmal „LWBM-122“ ausgewiesen.

Absolute Dieselpreise veröffentlicht der Statistische Bericht über Preise für ausgewählte Mineralölerzeugnisse des Statistischen Bundesamtes (EVAS-Nummer: 61241), zuletzt erschienen am 13. Oktober 2026 (www.destatis.de/D E/Themen/Wirtschaft/Preise/Erzeugerpreisindex-gewerbliche-Produkte/Publika tionen/Downloads-Erzeugerpreise/statistischer-bericht-ausgewaehlte-mineraloe lerzeugnisse-2170200262095.xlsx?__blob=publicationFile&v=2, Tabelle 61241-b02). Der allgemeine Energiesteuersatz auf Diesel (schwefelfrei) beträgt seit dem Jahr 2003 unverändert 47,04 Cent/Liter. Der Mehrwertsteuersatz auf Diesel wurde zuletzt am 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent erhöht.

Frage 3 Seite 2

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Pflanzenschutzmittelpreise in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.schweiger-h andel.de/Pflanzenschutzpreisliste-Gross-2022.pdf, und wenn ja, bitte auch die Entwicklung von Zulassung und auslaufenden Präparaten angeben)?

Antwort

Hinsichtlich der Entwicklung der Pflanzenschutzmittelpreise wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen. Die Anzahl zugelassener Pflanzenschutzmittel am Markt ist in den letzten 20 Jahren von 665 im Jahr 2005 auf 1 130 im Jahr 2025 gestiegen, wobei im selben Zeitraum die Zulassung von 1 268 Pflanzenschutzmitteln endete. Die rein quantitative Auswertung trifft keine Aussage zu den Anwendungsgebieten der zugelassenen Pflanzenschutzmittel.

Düngemittel, Treibstoffe und Pflanzenschutzmittel gehören sämtlich zu den Vorleistungen, die während der landwirtschaftlichen Produktion verbraucht werden. Weitere Informationen können auf der Statistik-Webseite des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) unter dem Link www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/landwirtschaftliche-gesamtrechnun g/vorleistungen abgerufen werden.

Darüber hinaus können weiterführende Angaben unter dem Link www.destati s.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Landwirtschaftspreisindex-Forstwirtschafts preisindex/_inhalt.html abgerufen werden.

Frage 4 Seite 3

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich in den letzten 20 Jahren die Bürokratiekosten in der Landwirtschaft entwickelt haben (www.a grarheute.com/politik/buerokratie-kostet-landwirte-jaehrlich-ueber-400millionen-euro-621825, und wenn ja, bitte die Entwicklung des Bürokratieindex angeben)?

Antwort

Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 14 der Kleinen Anfrage der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 21/519 verwiesen. Angaben zur weiteren Entwicklung liegen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vor.

Frage 5 Seite 3

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Durchschnittslöhne auf den landwirtschaftlichen Betrieben in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.azubiyo.de/azubi-wissen/landwirtschaft-mindestl ohn/; bitte Löhne von Azubis, Angestellten und Rentnern angeben)?

Antwort

Die erfragten Angaben sind über das GENESIS-Datenangebot des Statistischen Bundesamtes unter folgendem Link, öffentlich einsehbar und frei verfügbar https://genesis.destatis.de/datenbank/online/url/80ddeac8.

Frage 6 + 7 + 8 Seite 3

6Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Reparaturkosten von landwirtschaftlichen Maschinen in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (wenn ja, bitte ausführen; www.landwirtschaftskammer.de/landwi rtschaft/beratung/pdf/erfahrungssaetze-rh.pdf)?

7Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Anschaffungskosten von landwirtschaftlichen Maschinen in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standarda rtikel/Themen/Steuern/Weitere_Steuerthemen/Betriebspruefung/AfA-Ta bellen/AfA-Tabelle_Landwirtschaft-und-Tierzucht.html)?

8Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Stallbau- und landwirtschaftlichen Gebäudekosten in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.agrarheute.com/tier/rind/stallbau-immer-teurer-so-viel-zahl en-landwirte-pro-kuhplatz-636982)?

Antwort

Die Fragen 6 bis 8 werden gemeinsam beantwortet.

Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.

Frage 9 Seite 3

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Kosten für landwirtschaftliche Lohnarbeit in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/beratung/pdf/erfahrungs saetze-rh.pdf)?

Antwort

Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen. Die Kosten für externe Lohnarbeit fließen primär als Kostenbestandteil in die „Sonstigen Waren und Dienstleistungen“ (LWBM-19) ein oder werden über die Abrechnung von Maschinenmieten in der „Instandhaltung von Maschinen“ (LWBM-17) berücksichtigt, werden dort aber nicht separat ausgewiesen. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e. V. (KTBL) ermittelte auf Basis seiner Daten zur „Betriebsplanung Landwirtschaft“ eine Kostensteigerung von rund 48 Prozent für Dienstleistungen in der pflanzlichen Erzeugung für den Zeitraum von 2006 bis 2026. Darüber hinaus liegen keine Informationen vor.

Frage 10 Seite 4

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Tierarztkosten in den letzten 20 Jahren für Viehhalter in der Landwirtschaft entwickelt haben (www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/tierarzt-kosten-gebuehre nordnung-101.html)?

Antwort

Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.

Frage 11 Seite 4

Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie sich die Kosten für die landwirtschaftlichen Sozialversicherungen in den letzten 20 Jahren entwickelt haben (www.agrarheute.com/management/finanzen/svlfg-sparensagt-bundesrechnungshof-immer-weniger-landwirte-zahlen-642882; bitte Kranken-, Alterskasse und Berufsgenossenschaft extra auflisten)?

Antwort

Die erbetenen Angaben sind über das Online-Angebot des BMLEH unter folgendem Link öffentlich einsehbar und frei verfügbar: www.bmel-statistik.de/la ndwirtschaft/landwirtschaftliche-gesamtrechnung/aufwendungen.

Darüber hinaus wird auf das Datenangebot der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) als Träger der landwirtschaftlichen Sozialversicherung sowie auf deren Berichte verwiesen, zum Beispiel unter dem Link https://cdn.svlfg.de/fiona8-blobs/public/svlfgonpremiseproduction/2d 4835236ec74895/e5840996b5d9/auf-einen-blick-2025.pdf.