Vorbemerkung der Fragesteller
Vorbemerkung der Fragesteller
Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 34 509 Einkommensmillionäre und Einkommensmillionärinnen (www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Lohnste uer-Einkommensteuer/Tabellen/millionaere.html). Demgegenüber verdienen derzeit schätzungsweise 6,6 Mio. Menschen in Deutschland weniger als 13,90 Euro pro Stunde (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/07/PD25_256_62.html).
Im Jahr 2023 besaßen laut einer Haushaltsbefragung 10 Prozent der deutschen Haushalte 54 Prozent des Nettovermögens, während die untere Hälfte nur wenige Prozent des Vermögens besaß (https://publikationen.bundesbank.de/pu blikationen-de/berichte-studien/monatsberichte/monatsbericht-april-2025-954 594?article=vermoegen-und-finanzen-privater-haushalte-in-deutschland-ergeb nisse-der-vermoegensbefragung-2023--954598).
Im Jahr 2024 gab es laut dem jüngsten „Global Wealth Report“ der Boston Consulting Group (www.bcg.com/press/24june2025-globales-vermogen-steig t-um-vier-prozent-auf-512-billionen-us-dollar) in Deutschland geschätzte 3 900 Personen mit einem Vermögen über 100 Mio. US-Dollar, 500 mehr als im Vorjahr. Diese Personen konnten ihr Vermögen um 16 Prozent mehren und besaßen damit etwa 27 Prozent des gesamten Finanzvermögens in Deutschland. Auch die Zahl der Dollarmillionäre wächst hierzulande: Etwa 678 000 Personen besitzen derzeit mehr als 1 Mio. US-Dollar Finanzvermögen, etwa 65 000 Personen bzw. 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Dem entgegenstehen geschätzte 67 Mio. Personen in Deutschland, die zusammen nur 37 Prozent des Vermögens besitzen.
Sieht die Bundesregierung in der heutigen Verteilung der Einkommen beziehungsweise Vermögen in Deutschland ein Problem (bitte begründen)?
men der Privathaushalte deutlich gleicher verteilt sind als die Markteinkommen.
Auch haben die privaten Haushalte hohe Vermögen angesammelt, die in den vergangenen Jahren weiter angestiegen sind. Wie in vergleichbaren Ländern, ist das Privatvermögen insgesamt ungleich verteilt, jedoch hat sich das Maß der Ungleichheit seit 2010/2011 leicht reduziert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die – im Vergleich zu den Einkommen – deutlich höhere Ungleichheit auch dadurch entsteht, dass Vermögensbildung ein langfristiger Prozess im Lebensverlauf ist.
Im Übrigen wird auf die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung verwiesen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Bundesregierung aus den Zahlen zur Vermögensverteilung und deren Entwicklung in Deutschland aus dem jüngsten „Global Wealth Report“ (siehe Vorbemerkung der Fragesteller; bitte antworten, ob positiv oder negativ, und begründen)?
Beim Global Wealth Report der Boston Consulting Group handelt es sich um die Analyse einer Unternehmensberatung auf Basis von Marktbeobachtungen und Modellrechnungen, welche zudem nur unzureichend dokumentiert sind. Sie eignet sich daher auch nicht als Grundlage für Schlussfolgerungen der Bundesregierung.
Die Anzahl der Vermögensmillionäre oder -milliardäre ist zudem wenig aussagekräftig, da eine willkürlich gewählte absolute Grenze keinen Bezug zur gesamten Verteilung hat und nicht auf Geldwertveränderungen reagiert, wodurch sich Zeitreihenvergleiche kaum sinnvoll interpretieren lassen.
3Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei den Einkommen der deutschen Bevölkerung gegenüber dem heutigen Stand für erstrebenswert (bitte begründen)?
4Hält die Bundesregierung eine stärkere Gleichheit oder Ungleichheit bei den Vermögen in Deutschland gegenüber dem heutigen Stand für erstrebenswert (bitte begründen)?
Die Fragen 3 und 4 werden gemeinsam beantwortet.
Es wird auf die Ausführungen in der Antwort zu Frage 1 und auf die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung verwiesen.
5Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von Einkommen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. bei der Spreizung der Gehälter oder Einkommen allgemein oder für bestimmte Berufe (ggf. welches Maß genau)?
6Gibt es ein Maß, ab dem die Bundesregierung die Ungleichheit von Vermögen in Deutschland für untragbar oder problematisch hält, z. B. in Gestalt des Gini-Koeffizienten (ggf. welches Maß genau)?
Die Fragen 5 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung sind die üblichen Verteilungsmaße, wie z. B. der Gini-Koeffizient, die Palma Ratio und andere Dezils-/Perzentils-Verhältnisse, bekannt. Diese werden u. a. im Rahmen der Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung genutzt. Diese Verteilungsmaße sind grundsätzlich geeignet, um im Zeitablauf Aussagen zur Veränderung der Verteilungsverhältnisse treffen zu können. Sie sind jedoch nicht geeignet, um Aussagen treffen zu können, welches Maß an Ungleichheit als gesellschaftlich inakzeptabel anzusehen ist, da diese normative Bewertung auch von der Entstehung und Verwendung von Einkommen und Vermögen abhängig ist.
Kann die Bundesregierung – zumindest der Größenordnung nach – die Aussage einer Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ bestätigen, der zufolge Männer ungefähr 71 Prozent der Milliardenvermögen in Deutschland besitzen, Frauen dagegen nur 29 Prozent (www.netzwerk-st euergerechtigkeit.de/wp-content/uploads/2025/03/Gender_Tax.pdf, S. 5)?
Der Bundesregierung liegen keine entsprechenden Erkenntnisse vor.
Laut den Verfassern der Studie beruhen die untersuchten Milliardenvermögen vor allem auf unternehmerischen Vermögen. Wie die Daten zu den Eigentumsverhältnissen an den einzelnen Gesellschaften recherchiert wurden, wird nicht weiter erläutert. Zudem wurde wegen fehlender Daten ein großer Teil der weiteren Privatvermögen von der Analyse ausgeschlossen.
Ist bzw. wäre für die Bundesregierung eine so starke geschlechterspezifische Ungleichheit bei den Spitzenvermögen wie in der in Frage 7 genannten Studie des „Netzwerks Steuergerechtigkeit“ – oder eine ähnliche Größenordnung – mit der Gleichstellungsstrategie der Bundesregierung (siehe Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 101) vereinbar (bitte begründen)?
Die ökonomische Gleichstellung von Frauen und Männern ist Ziel der Bundesregierung und soll mit der geplanten Gleichstellungsstrategie weiter gestärkt werden. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 in Deutschland (bitte nach Jahren und zusätzlich nach Einkommensarten aufschlüsseln)?
Eine Auswertung der Steuerpflichtigen mit Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. Euro und mehr aus den Lohn- und Einkommensteuerstatistiken 2010 sowie 2012 bis 2021 kann dem Tabellenanhang* entnommen werden.
Bis zum Veranlagungsjahr 2010 wurden die Daten der Lohn- und Einkommensteuerstatistik nur dreijährlich aufbereitet, ab 2012 gibt es eine jährliche Bundesstatistik zur Lohn- und Einkommensteuer. Daher liegen für das Veranlagungsjahr 2011 keine Daten vor. Das Statistische Bundesamt hat dafür das Veranlagungsjahr 2010 ausgewertet. Aufgrund der langen Fristen zur Abgabe der Steuererklärung liegen die Angaben nur mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung vor. Daher sind die aktuellsten Daten für das Veranlagungsjahr 2021 verfügbar.
Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Einkommensarten (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
Eine Auswertung der Steuerpflichtigen mit Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. Euro und mehr nach Bundesländern aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2021 kann dem Tabellenanhang* entnommen werden. Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
Wie viele Einkommensmillionärinnen und Einkommensmillionäre gab es nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 jeweils in den Landkreisen und kreisfreien Städten (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor.
Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils das höchste zu versteuernde Einkommen in den Jahren von 2011 bis 2023?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor, da Einzelangaben wegen des Steuergeheimnisses und der statistischen Geheimhaltung nicht veröffentlicht werden dürfen.
13Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2011 bis 2023 (bitte nach Jahren aufschlüsseln) die zu versteuernden Einkommen
13ainsgesamt, und
13baller Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?
Eine Sonderauswertung der Steuerpflichtigen aus den Lohn- und Einkommensteuerstatistiken 2010 sowie 2012 bis 2021 kann dem Tabellenanhang* entnommen werden. Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
Bei wie vielen der Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen in Deutschland wurden nach Kenntnis der Bundesregierung durch die Finanzverwaltung Steuerprüfungen durchgeführt (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
Im Jahr 2023 wurden 876 Prüfungen bei Steuerpflichtigen mit sogenannten „besonderen Einkünften“ durchgeführt. Dies sind Steuerpflichtige mit einer Summe der positiven Überschusseinkünfte i. S. d. § 2 Absatz 1 Satz 1 Nummern 4 bis 7 des Einkommensteuergesetzes von mehr als 500 000 Euro.
Im Übrigen wird auf die veröffentlichten Zahlen in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 7 auf Bundestagsdrucksache 21/469 verwiesen.
15Wie viele der Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen in Deutschland beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung
15aausschließlich oder
15büberwiegend Kapitaleinkommen (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen dazu keine aussagefähigen Daten vor.
Die Einkünfte aus Kapitalvermögen werden seit Einführung der Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009 nur noch unvollständig in der Lohn- und Einkommensteuerstatistik ausgewiesen, da sie in der Regel nicht mehr Bestandteil der individuellen Steuerveranlagung sind.
16Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung dazu vor, wie sich bei dem ungefähr 1 Prozent der Bevölkerung Deutschlands, das laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2023 seinen Lebensunterhalt überwiegend aus eigenem Vermögen, aus Kapitalerträgen oder Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bestreitet (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemit teilungen/2024/04/PD24_132_125.html), die entsprechenden Einkünfte im Detail gestalten, insbesondere
16awie hoch die entsprechenden Vermögenseinkünfte im Schnitt sind (Mittelwert und Median),
16bwie sich die entsprechenden Einkünfte der Höhe nach verteilen (z. B. wie hoch die Einkünfte der reichsten 0,5 Prozent, 0,1 Prozent, 0,01 Prozent oder 0,001 Prozent sind) bzw.
16cwie sich die Einkunftsarten (eigenes Vermögen, Kapitalerträge oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) prozentual insgesamt oder für bestimmte Untergruppen verteilen?
Der Bundesregierung liegen keine über den Inhalt der genannten Pressemitteilung hinausgehenden Erkenntnisse vor.
17Wie groß sind nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Vermögenseinkommen der obersten 0,1 Prozent der Einkommensbezieher bzw. Einkommensbezieherinnen in Deutschland (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
18Welcher Anteil der Kapitaleinkommen entfällt nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)
18aauf das oberste 0,1 Prozent der Einkommensbezieher bzw. Einkommensbezieherinnen,
18bauf Einkommensmillionäre bzw. Einkommensmillionärinnen?
Die Fragen 17 und 18 werden gemeinsam beantwortet.
Dazu liegen der Bundesregierung keine aussagefähigen Daten vor. Auf die Antwort zu Frage 15 wird verwiesen.
Wie viele Menschen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, die keine Rentner bzw. Rentnerinnen sind und trotzdem nicht arbeiten müssen, weil sie aus ihren Kapital- bzw. Vermögenseinkommen leben können (bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Daten im Sinne der Fragestellung vor.
Wird die Bundesregierung vor dem Hintergrund ihrer Unterstützung für den Vorschlag der brasilianischen G20-Präsidentschaft für eine globale Milliardärssteuer (siehe Antwort der Bundesregierung zu Frage 34 der Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke auf Bundestagsdrucksache 21/908) in dieser Legislaturperiode einen Vorschlag für eine solche Steuer in Deutschland vorschlagen, wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung unterstützt die unter brasilianischer G20-Präsidentschaft verabschiedete gemeinsame Erklärung der Finanzminister („G20 Ministerial Declaration on International Taxation Cooperation“) sowie das Kommuniqué der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure vom 24. Oktober 2024. Dabei ist anstelle des früheren Vorschlags einer „Globalen Mindeststeuer für Superreiche“ (sogenannte High-Net-Worth Individuals – HNWI) die Erhöhung der Effektivität der jeweiligen innerstaatlichen Besteuerung durch Verbesserung der Steuertransparenz über die Besteuerungsgrundlagen vorgesehen, um eine effektive Besteuerung von sehr wohlhabenden Privatpersonen weltweit sicherzustellen. Hierzu wurden entsprechende Arbeiten auf Ebene des Inclusive Framework on BEPS der OECD sowie im Rahmen von Prozessen der Vereinten Nationen aufgenommen.
21Was ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche effektive Steuersatz für Steuerpflichtige mit Einkommen
21aüber 1 Mio. Euro,
21büber 10 Mio. Euro,
21cüber 100 Mio. Euro bzw.
21düber 1 Mrd. Euro (vor Steuer; bitte für das letzte verfügbare Jahr mit Jahresangabe aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen dazu keine Informationen vor.
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