Vorbemerkung der Fragesteller
Vorbemerkung der Fragesteller
Die Zahl der in der deutschen Sozialversicherung erfassten Seeleute auf Handelsschiffen unter deutscher Flagge geht seit Jahren deutlich zurück. Trotz verschiedener Förderinstrumente zur Stärkung des maritimen Standortes Deutschland sinkt der Anteil deutscher sozialversicherungspflichtiger Besatzungsmitglieder kontinuierlich (https://ichwolltemeer.de/Mewes-News/Abba u-DEUTSCH-auf-See-geht-geplant-weiter/index.php/).
Gleichzeitig werden zunehmend internationale Crews eingesetzt, wodurch Beiträge zu den deutschen sozialen Sicherungssystemen ausbleiben und maritime Ausbildungs- sowie Beschäftigungsperspektiven für deutsche Seeleute weiter unter Druck geraten.
Diese Entwicklung wirft bei den Fragestellern grundlegende Fragen zur Wirksamkeit der bisherigen Flaggen- und Förderpolitik des Bundes, zu möglichen Fehlanreizen im internationalen Register sowie zu den langfristigen Folgen für die soziale Absicherung, die Fachkräftebasis und die maritime Souveränität Deutschlands auf. Vor diesem Hintergrund besteht in den Augen der Fragesteller ein erhebliches öffentliches und parlamentarisches Interesse an einer umfassenden Darstellung der aktuellen Zahlen, Trendentwicklungen und politischen Bewertungen durch die Bundesregierung.
1Wie erklärt die Bundesregierung den massiven Rückgang der Anzahl deutscher Seeleute auf Handelsschiffen seit 2010, und welche politischen Fehlentscheidungen haben nach ihrer Auffassung zu dieser Entwicklung beigetragen?
5Wie viele Ausbildungsplätze bzw. Studienplätze für seemännische Berufe gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell, und wie hat sich deren Zahl in den vergangenen zehn Jahren verändert?
10Warum ist es der Bundesregierung bislang nicht gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flagge nachhaltig zu stärken, obwohl seit Jahren ein Rückgang von Schiffen und Besatzungen dokumentiert wird (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
11Inwiefern überprüft die Bundesregierung ggf. die bestehenden Förderinstrumente, insbesondere Tonnagesteuer und Lohnnebenkostenförderung, auf ihre tatsächliche sicherheitspolitische Wirkung?
Die Fragen 1, 5, 10 und 11 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Die Schifffahrtskrise (als Bestandteil der globalen Finanzkrise) hat im Zuge der nachfolgenden Marktbereinigung zu einem nachhaltigen Rückgang der Ausbildungsverhältnisse, dem Verlust von Ausbildungsreedereien und Ausbildungsschiffen geführt, was sich auf die Bestandszahlen der Seeleute entsprechend ausgewirkt hat. Um dem mittel- und langfristig qualifizierten Fachkräftemangel im maritimen Bereich entgegenzuwirken und gut ausgebildetes Personal zu rekrutieren, führt der Bund darüber hinaus die Ausbildungsplatzförderung in der Seeschifffahrt fort.
Die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit weist im Juni 2025 insgesamt 1 734 Auszubildende in einem Schifffahrtberuf aus. Seit 2024 ist ein Anstieg der Ausbildungsverhältnisse zu beobachten. Weitere Informationen sind in der beigefügten Anlage enthalten.* Für die Zahlen zu den Studiengängen im Seefahrtbildungswesen wird auf die Bundesländer verwiesen.
Die deutsche Flagge wird europäisch wettbewerbsfähig gestaltet durch:
• Erhöhung des Lohnsteuereinbehaltes auf 100 Prozent,
• passgenaue Erstattung der Arbeitgeberanteile zur gesetzlichen Sozialversicherung,
• Anpassung der Schiffsbesetzungsverordnung an europäische Standards.
PDF-Seite 5 · im Originalformat beigefügt, nicht in Tabellen übernommen
2Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragesteller, dass der drastisch sinkende Anteil deutscher Besatzungen die maritime Handlungsfähigkeit Deutschlands in Krisen- und Verteidigungsfällen erheblich schwächt?
2aWenn ja, welche Auswirkungen sind damit verbunden?
2bWenn nein, warum nicht?
3Wie will die Bundesregierung ggf. sicherstellen, dass Deutschland im Spannungs- oder Bündnisfall noch über ausreichend in Deutschland ausgebildetes nautisches und technisches Personal verfügt, wenn die Zahl deutscher Seeleute weiter sinkt?
7Welche konkreten sicherheitspolitischen Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der fortschreitenden Ausflaggung deutscher Handelsschiffe?
8Hält die Bundesregierung die derzeitige Entwicklung der deutschflaggigen Flotte angesichts wachsender geopolitischer Risiken und hybrider Bedrohungen auf See für verantwortbar?
9Welche Risiken für die nationale Versorgungssicherheit sieht die Bundesregierung durch die zunehmende Abhängigkeit von ausländischen Besatzungen und Flaggenstaaten?
Die Fragen 2 bis 3 und 7 bis 9 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung ergreift Maßnahmen zur Stärkung des maritimen Standorts, der maritimen Wirtschaft und des maritimen Personals, sowie zur wettbewerbsfähigen Gestaltung und Steigerung der Attraktivität der deutschen Flagge, um die deutsche Handelsflotte zu stärken und die Anzahl der Schiffe deutscher Reeder unter deutscher Flagge zu steigern. Bezüglich der Maßnahmen wird auf die Antworten zu den Fragen 1, 5, 6, 10 und 11 verwiesen.
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland die Arbeitslosenquote bei den seemännischen Berufen, und wie hat sich diese in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Eine spezifische Arbeitslosenquote für seemännische Berufe wird in Deutschland nicht gesondert erhoben.
Wie bewertet die Bundesregierung die Attraktivität der seemännischen Berufe im Kontext der dargestellten Entwicklung, und was beabsichtigt sie ggf. zu unternehmen, um ein ausreichendes Interesse der Jugend an diesen Berufen sicherzustellen?
Insbesondere die globale Schifffahrtskrise der 2010-er Jahre und Piraterie, aber auch die Auswirkungen von COVID-19 und aktuelle Krisenlagen haben potenzielle Bewerber zur Zurückhaltung bewogen.
Um die Attraktivität der maritimen Ausbildung zu steigern, werden mit Unterstützung der Bundesregierung in der maritimen Branche verschiedene Maßnahmen umgesetzt. Unter anderem werden Social Media und eine zentrale Ausbildungswebseite (www.mach-meer.de) genutzt, um junge Leute digital und gezielt anzusprechen. Darüber hinaus wird auf eine verstärkte Präsenz der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt auf Ausbildungsmessen gesetzt. Arbeitsagenturen werden über Informations-Webinare ins Bild gesetzt, um Bewerbende im Hinblick auf seemännische Berufe besser beraten zu können. Darüber hinaus existiert eine Nachwuchsinitiative des Deutschen Maritimen Zentrums.
12Liegen der Bundesregierung Lagebewertungen vor, die die deutsche Handelsflotte ausdrücklich als Bestandteil der kritischen Infrastruktur oder der Gesamtverteidigung einstufen?
12aWenn ja, zu welchen Ergebnissen kommt sie?
12bWenn nein, warum nicht?
Die Fragen 12 bis 12b werden zusammen beantwortet.
Im Rahmen der Gesamtverteidigung sind lebens- und verteidigungswichtige Verkehrsleistungen so sicherzustellen, dass sie zur Deckung des Bedarfs, insbesondere für die Zivilbevölkerung, die Wirtschaft sowie die Streitkräfte eingesetzt werden können. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Seeschifffahrt – unter anderem für den Handel mit Übersee.
13Plant die Bundesregierung angesichts der sicherheitspolitischen Lage eine nationale maritime Sicherheitsstrategie mit verbindlichen Maßnahmen zur Stärkung deutscher Besatzungen und der deutschen Flagge?
13aWenn ja, in welchem Umfang?
13bWenn nein, warum nicht?
Die Fragen 13 bis 13b werden zusammen beantwortet.
Die Bundesregierung verfolgt diverse Maßnahmen zur Stärkung der maritimen Sicherheit auf strategischer Ebene, die laufend an die aktuellen Bedarfe angepasst werden. Dazu gehört auch die Stärkung der deutschen Flagge und die Sicherung des Bestands an Seeleuten.